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4.2. Anomietheorie
Anomie bedeutet
soziale Mangel- oder Randlage. Gemeint ist ein Zustand mangelnder gesellschaftlicher
Integration, insbesondere Aspekte der sozialen
Diskriminierung und Benachteiligung werden als Grundlage
der Kriminalitätsentwicklung angesehen.[1]
mehr ›› In die aktuelle Diskussion wird z.B. von Christian Pfeifferüber Szenarien
der "sozialen
Desorganisation"[2] und damit im Zusammenhang oft
auch von einer neuen Armut unter Jugendlichen[3] gesprochen, also über
Faktoren, welche die ausländische Bevölkerung in besonderem Maße treffen
(siehe oben 3.2.). Freilich scheint es allzu leicht, kausale Abhängigkeiten zwischen den
neuen Randständigkeiten und begleitenden Kriminalitätsentwicklungen herzustellen.
Mittels der Armutsthese wird
kaum benannt, unter welchen konkreten Bedingungen der von Armut und anomischen
Situationen Betroffene
sich gesetzeskonform oder abweichend verhält[4], so daß sich kriminologisch allenfalls von Korrelationen,
also von der Gleichzeitigkeit von verschiedenen sozialen Erscheinungen
und Benachteiligungen ausgehen läßt.
Ein solcher Befund der mehrfachen sozialen Degradierung dürfte als Erklärung
ohnehin eher entlastend bei der Beurteilung von "Ausländerkriminalität" wirken als
umgekehrt als belastender Vorwurf.
mehr ››
[1] Vgl. Merton, Sozialstruktur und Anomie,
in: Sack/König (Hrsg.), Kriminalsoziologie, 2. Aufl. 1974, S. 283 ff.
Als neuere Quelle Pfeiffer, Das Problem der sog. Ausländerkriminalität - empirische
Befunde, Interpretationsangebote und (kriminal-)politische Folgen, DVJJ-Schriftenreihe
1996, S. 108 ff. (127 ff.). [2] Pfeiffer/Ohlemacher,
DVJJ-Journal 6.Jg. (2/1995), S. 178 ff. (186). [3] Vgl.
nur die beiden inhaltlich als Sachgesamtheit zu betrachtenden Beiträge
von Pfeiffer, "Zum Stand der Jugendkriminalität in Ost und West", DVJJ-Journal
6.Jg. (2/1995), S. 161 f. und Pfeiffer/Ohlemacher, a.a.O., S. 178
ff., "Anstieg der (Gewalt-) Kriminalität und der Armut junger Menschen.
Gibt es einen Zusammenhang?". Umbruch, "Armut" und Kriminalität halten
hier für eine recht grob gestrickte Theorie sozialen Wandels und seiner
Auswirkungen auf den Sektor der Jugendkriminalität her. Armut wird mit
dem Status des Sozialhilfe-Empfängers gleichgesetzt. Auch Pfeiffer, Kriminalität
in Niedersachsen, KFN-Forschungsberichte Nr. 60, 1997; ders. DVJJ-Journal
6.Jg. (3-4/1995), S. 285 ff. [4] Insoweit
kritisch gegenüber der Diskussion über "neue Armut", Meier, in FS für
G. Kaiser, Internationale Perspektiven in Kriminologie und Strafrecht,
Bd. II, 1998, S. 1069 ff. (1075 und 1077 f.); kritisch auch Schumann/Prein/Seus,
in FS für G. Kaiser, a.a.O., S. 1109 ff.
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