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4.3. Labeling-Ansatz; Zuschreibung von Kriminalität

Ein ganz anderes Modell als Kulturkonflikt- und Anomietheorie liegt dem  Labeling-Ansatz zugrunde.

"To label" heißt etikettieren oder abstempeln.

Kriminalität ist in diesem Sinne kein "einseitig" vom Täterverhalten abhängiges Ereignis. Wenn man berücksichtigt, daß nur ein geringer Anteil der objektiv gegen das Strafgesetz verstoßenden Geschehnisse tatsächlich registriert wird, dann sind es in erster Linie die Registrierenden und deren Vorstellungen, welche Ausmaß und Verteilung von Kriminalität bestimmen, die Kriminalität gleichsam zuschreiben.

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Allein schon die Tatsache, daß unvergleichbare Sachverhalte oft unkommentiert miteinander verglichen werden, erzeugt ein Stigma.

Denn vor dem Hintergrund unterschiedlicher statistischer Zählmethoden, unterschiedlicher sozialer Zugangsmöglichkeiten und denkbarer unterschiedlicher sozialer Aufmerksamkeiten scheint es nicht legitim, vergleichende Bilanzen vorzulegen, die eben diese Differenziertheit nicht hinreichend erfassen können.

Das Labeling-Modell kann damit auch als kriminalpolitische Aufforderung verstanden werden, mit Zahlen- und Vergleichswettbewerben über die Mehrbelastung von Kriminalität Schluß zu machen.

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