Projektbeschreibung
Nutzer-Profil
Veranstaltungen
Was ist das?
Klassische Experimente
Jugendkriminalität
Ausländerkriminalität
Fremdenfeindliche Straftaten
Gewaltkriminalität
Wirtschaftskriminalität
Innere Sicherheit
Prävention
Impressum
Klassische ExperimenteRosenhan

Die Relevanz von Vorverständnis und Diagnose für den Umgang mit abweichendem Verhalten – Lehren aus dem Rosenhan-Experiment

„The thin red line between sanity and insanity is a dotted line.“

(Anonymous)

1. Einleitung

Abweichendes Verhalten ist immer schon ein Thema im menschlichen Zusammenleben gewesen. Seit jeher gab es unterschiedliche Positionen zur Frage der Entstehung abnormalen Verhaltens im klinischen Sinne.

Früher wurde die Geisteskrankheit teilweise dem Einfluss böser Geister oder anderer übernatürlicher Mächte angelastet, teilweise war sie aber auch nur das Resultat vorschneller rigider medizinischer Diagnosen.

In der modernen Zeit wurden zwei Hauptansichten entwickelt:

die somatogenische Lehre, die annimmt, dass jede Geistesverwirrung durch körperliche Fehlfunktionen entsteht,

und die psychogenische Lehre, die meint, dass die Schwierigkeiten mit psychologischen Faktoren zu erklären seien (Davison & Neale 1994).

So unterschiedlich diese Positionen auch sind, eines steht fest:

Es gab eine intensive Suche danach, welcher Natur der Geist, die Wahrnehmung, die Empfindung, das Gedächtnis und das Denken sind.

Redeweise vom Menschen als „sozialem Tier" entwickelte sich

Und obwohl „sich früher die Psychologie ausschließlich dem Menschen als Individuum gewidmet hat, wurde später auch die soziale Umgebung eines Menschen in die psychologischen Überlegungen mit einbezogen“ (Kivits 1994, S. 311).

mehr ››

Die Redeweise vom Menschen als „sozialem Tier“ entwickelte sich.

mehr ››

„Diese Interaktionen implizieren soziale Hierarchien, formen unsere Verhaltensnormen, weisen uns Rollen zu, und helfen uns, innerhalb unserer Kultur zu einer Identität zu finden“ (Kivits 1994, S. 314).

Und es ist eben diese Kultur, die maßgeblich auch unser Verständnis von Abnormität und Normalität prägt.

Das heißt, was in einer Kultur als normal angesehen wird, kann in einer anderen Kultur als völlig abweichend gelten.

Viele Psychologen heben auf die Normübertretung, das persönliche Leid, die Behinderung, die Fehlfunktionen oder auf statistische Auffälligkeiten ab, die selbst alle zusammen genommen nur als Teilaspekte betrachtet werden können (Davison & Neale, 1994).

mehr ››

Im letzten Jahrhundert entschlossen sich mehr und mehr Menschen, die Hilfe eines professionellen Psychiaters oder Psychologen in Anspruch zu nehmen. Diese Menschen konfrontierten Therapeuten und Wissenschaftler mit neuen Problemen, die zur Entstehung neuer Diagnosen führten.

Entstehung neuer Diagnosen

Dies zeigt, wie problematisch die Verwendung solcher Begriffe wie „normal“, „abnormal“, „Geisteskrankheit“, „Schizophrenie“ usw. ist.

Wissenschaftler sind sogar der Meinung, dass psychologische Kategorien von Geisteskrankheit im besten Falle nutzlos sind, im schlimmsten Falle aber schädlich, irreführend und herabsetzend (Becker 1963, Goffman 1963, Szasz 1973).

mehr ››

Abnormes Verhalten wird in der Fachliteratur regelmäßig beschrieben als Verhalten, das sich markant unterscheidet von dem, was die Gesellschaft, in der die betroffene Person lebt, erwartet.

Der Prozess der Kategorierung des abnormen Verhaltens wird auch als Diagnose bezeichnet.

mehr ››

Der Psychiater oder Psychologe sieht sich selbst nicht als Freund oder Feind des Klassifizierten, sondern als neutralen Arzt oder Wissenschaftler.

Und so bleibt es nicht aus, dass seine eigene sozio-ethische Orientierung den Diagnosevorgang beeinflussen kann.

Alle diese Überlegungen offenbaren, dass die Begriffe „abnormal“ und „normal“ nicht so eindeutig sind, wie sie den meisten Menschen erscheinen mögen.

Niemand kann ernsthaft das persönliche Leid der Betroffenen leugnen oder behaupten, abweichendes Verhalten im psychiatrischen Sinne existiere nicht. Die vorrangige Frage muss aber sein, ob und inwieweit Wissenschaftler, Psychologen, Psychiater und auch die Gesellschaft diese Verhaltensweisen möglicherweise durch ihre eigenen Definitionen und Etikettierungen (Schaubild) hervorrufen, verstärken oder verfestigen.

Das ist der Ausgangspunkt, von dem aus sich Rosenhan auf seine experimentelle Suche begab.

 
nach oben   nach oben
 

 Druckversion