|
2. Rosenhans Studie
Die theoretische Vorfrage dieser sozialpsychologischen Untersuchung wird vom Autor selbst artikuliert:
Liegen die hervorstechenden Merkmale, die zur Diagnose der Abnormität führen, in den Patienten selbst oder in der Umgebung oder in den Zusammenhängen, in denen Beobachter sie sehen? (Rosenhan 1973).
Mit anderen Worten: Weisen Patienten eindeutige Krankheitssymptome auf, die sich klar in Kategorien einteilen lassen (ICD-10, DSM-IV) und sie von Gesunden unterscheiden, oder sind psychiatrische Diagnosen gesellschaftliche Schöpfungen, soziale Konstruktionen, die „nur im Gehirn des Beobachters (existieren) und daher keine gültige Zusammenfassung von Charakteristika (sind), die der Beobachter offenbart“ (Rosenhan 1973)?
Wenn es Normalsein und Irresein wirklich gibt und man sie unterscheiden kann, dann sollte man annehmen, dass sie als Normalität (und Abnormität) genügend ausgeprägt sind, um sie, wo immer sie auftreten, auch zu erkennen.
mehr ››
Dabei bestreitet Rosenhan nicht, dass manche Verhaltensweisen merkwürdig oder abweichend von der Norm sind, er stellt einfach die Definition von normal und abnormal in Frage, indem er sie auf soziale Konstruktionen zurückführt.).
Definition von normal und abnormal
in Frage gestellt
Abnormität ist daher kein Wesensmerkmal der leidenden Person, sondern sie liegt im Auge des Betrachters.
mehr ››
Man kann sich vorstellen, dass Rosenhans Untersuchung heftige Reaktionen und Kritiken in der psychiatrisch-psychologischen Fachwelt hervorrief, besonders weil sie verschiedene Institutionen ziemlich bloßstellte.
mehr ››
Rosenhan wollte lediglich nachweisen, wieviel Macht Labels und situative Zwänge auf die Art und Weise haben, in der Informationen aufgenommen und verarbeitet werden. Wären dieselben Verhaltensweisen in einem anderen Kontext beobachtet worden, hätte man sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ganz anders interpretiert. |