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Klassische ExperimenteRosenhan

6. Schluss

Der vorliegende Beitrag, der keine Bestandsaufnahme des facettenreichen Labeling-Ansatzes angestrebt hat (dazu zusammenfassend Kaiser 1997, S. 97 ff.; Kunz 2001, S. 175 ff.), vertritt nicht die Auffassung, dass das Label alleine einen Kriminellen erschafft.

Wir alle sind Individuen und unterscheiden uns in der Art, wie wir denken, fühlen, handeln und wie wir unsere Umgebung auf uns wirken lassen. Deshalb kann immer nur eine Gemengelage aus persönlichen Eigenschaften, Lebensumständen, sozialen Strukturen, Kontext und situativen Faktoren – in unterschiedlicher Gewichtung – den Ausschlag geben, ob jemand sich abweichend verhält oder nicht (sog. Primärabweichung).

Ist das Label aber einmal entstanden, kann es zu seinem Erhalt beitragen und die Sekundärabweichung begünstigen. Denn Kontrollversuche können auch eine kontraproduktive Wirkung haben.

Der bleibende Wert des Rosenhan-Experiments liegt in diesem Sinne darin, den paradoxen Beitrag der gesellschaftlichen Reaktion erhellt zu haben.

Denn bei Rosenhan hält die Psychiatrie, die eigentlich dafür da ist, um das Problem zu behandeln, den problematischen Zustand aufrecht bzw. schafft ihn – in einem definitorischen Sinne – erst.

Kontrollversuche können auch
eine kontraproduktive Wirkung haben

Der Labeling-Prozess begünstigt schließlich eine Identifikation des Gelabelten mit dem abweichenden Image. Dies wird damit erklärt, dass das Individuum sein Selbstbild dem Fremdbild der anderen vom Abweichler anzupassen versucht ist, indem er es als negatives Label akzeptiert.

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Nach alledem ist es offensichtlich, welche Macht sowohl der Kontext als auch die Beobachter haben. Nicht zuletzt gilt das auch für uns selbst und die Geschichte, die wir uns selbst und anderen über unser Leben erzählen.

Auch wir selbst sind es gewohnt, unser bisheriges Leben zu etikettieren, es im Lichte dieser Etiketten zu deuten und ihm aus dieser Perspektive einen Inhalt, unter Umständen sogar einen Sinn zu geben.

 
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