2.2. Welche Merkmale weisen die Täter auf?
Im Hinblick auf Tätergruppen und regionale Verteilung handelt
es sich bei fremdenfeindlichen Straftaten um ein Phänomen,
das junge, zumeist männliche Täter betrifft und das sich vor
allem in den neuen Bundesländern realisiert.
Überbelastung der neuen
Bundesländer
Die neuen Bundesländer bieten auch ein Beispiel dafür, daß die
Häufigkeit von Gewalttaten offenbar in keinem direkten Zusammenhang
mit der tatsächlich in den jeweiligen Regionen lebenden Fremden
steht. Denn in keinem der neuen Bundesländer lag der Ausländeranteil
beispielsweise im Zeitraum von 1991 bis 1994 - also gerade als
sich eine Vielzahl von Anschlägen häufte - höher als 2,4 %,
während der bundesweite Anteil zugleich rund 8 % und der in
den alten Ländern sogar etwa 10 % betrug.[1]
mehr ›› Angesichts der demographischen Verteilungen spricht vieles
dafür, daß es hier keineswegs nur um Konflikte mit konkreten
Fremden geht, sondern um "Abstraktionen von Überfremdung".
Nur auf dieser Basis scheint das beschriebene Phänomen der "Ausländerfeindlichkeit
ohne Ausländer" erklärbar (genauer
zu Erklärungsansätzen unten 4.).
mehr ›› Männliche Jugendliche als Haupttätergruppe
In diesem Zusammenhang spielt eine Rolle, daß die Täter ganz
überwiegend junge Menschen sind. Nach verschiedenen Untersuchungen
liegt der Anteil Jugendlicher und Heranwachsender zwischen 15
und 20 Jahren bei rund 50 % aller Tatverdächtigen, weitere 25
% sind jünger als 30 Jahre.[2] Davon sind gut
90 % männlich.[3]
mehr ›› Internationale Vergleichsmöglichkeiten
Fremdenfeindliche und auf Diskriminierung ausgerichtete
Straftaten sind kein ausschließlich deutsches Phänomen. Internationale
Vergleiche fallen allerdings schwer, weil die Abhängigkeit von
Definitionen und die damit verbundenen Spielräume in der Problemerfassung
über staatliche und soziale Grenzen hinweg natürlich eher zunehmen.
Einige Erkenntnisse aus dem US-amerikanischen Rechtskreis sind
gleichwohl interessant, dort wurde ja bekanntermaßen der Begriff
der "hate crimes" geprägt (siehe oben).
mehr ›› Die Registrierung von hate crimes ist in den 90er Jahren
gerade dort angestiegen, wo eine große Zahl von "hate crime
agencies" bestand bzw. errichtet wurde.[4]
Neben externen sozialen Ursachen scheinen also durchaus auch
Bedingungen aus dem Binnensystem der Kontrollinstanzen für
die "Produktion" von statistischen Daten verantwortlich (dazu
auch im Rahmen der Erklärungsmodelle unter 4.).
[1]
Berechnungen anhand der jeweiligen statistischen Jahrbücher. [2] So die Untersuchung von Peuker/Gaßebner/Wahl,
2000. Zuvor bereits Willems, Fremdenfeindliche Gewalt, 1993,
S. 110, der sogar einen Anteil der unter 25jährigen von ca.
90 % ausmachte. [3]
Willems, Fremdenfeindliche Gewalt, 1993, S. 112. [4]
Criminal Justice Information, U.S. Departement of Justice
(Hrsg.), 1994, S. 2.
|