Journascience.org (JSO) - das sozialwissenschaftliche Informationsportal
für Journalisten zum Thema Kriminalität
(www.journascience.org)
1. Zum Konzept des JSO
Die Idee eines Online-Dienstes zur Vermittlung (sozial-)
wissenschaftlicher Forschungsergebnisse für Journalisten zu
bestimmten Themenbereichen wurde von Prof. Dr.Gisela Losseff-Tillmanns,
Soziologin an der Fachhochschule Düsseldorf, entwickelt.
Auslöser für diese Idee war die seit Jahrzehnten erhobene
Forderung von Kriminologen, den "politisch-publizistischen
Verstärkerkreislauf" zu stoppen. Dies geschah vor dem Hintergrund
der in vielen wissenschaftlichen Studien belegten Modewellen,
z.B. bei Berichterstattungen über Jugendgewalt und Jugendkriminalität.
Dieses Problem kennen aber nicht nur Kriminologen, sondern
auch Fachleute anderer Disziplinen. Anstatt nur zu klagen,
entstand die Idee für eine konstruktive Vorgehensweise, indem
die Wissenschaftler ihr spezifisches Wissen den Journalisten
zur Verfügung stellen.
Dies sollte in einer nutzerfreundlichen Weise geschehen.
Die Idee war, die aufwendige Recherchearbeit der Journalisten
zu erleichtern und zwar mit Hilfe des Mediums Internet.
Journalisten sind nämlich weltweit mehr und mehr einem extremen
Zeitdruck bei ihren Recherchen ausgesetzt, was entsprechende
Auswirkungen auf die Qualität der Medienberichterstattung
hat. Diesen Tatsachen soll konstruktiv begegnet werden.
Die Auswahl für das Themenfeld fiel auf Kriminalität, ein
gesellschaftspolitisch brisantes und medial höchst wirksames
Themenfeld. Es scheint besonders geeignet zu sein um Ziele
und Umsetzung der Idee für einen wissenschaftlich orientierten
Online-Dienst für recherchierende Journalisten zu demonstrieren.
Daß diese Überlegung zeitgemäß und notwendig ist, beweist
u.E. die Empfehlung des Europarates (Ausschuss der Minister)
vom 24.September 2003 zur Vereinheitlichung und Reform des
Jugendstrafrechtes. Dort heißt es in Punkt 25 der Empfehlung:
"Um übermäßigen negativen Vorstellungen zu widersprechen,
soll die öffentliche Meinung informiert und das allgemeine
Vertrauen erhöht werden, sollten Informationsstrategien zur
Jugenddelinquenz, Arbeit und Wirksamkeit des Jugendstrafrechtssystems
entwickelt werden. Dafür sollte die ganze Bandbreite der Marktangebote,
inklusive Fernsehen und Internet, genutzt werden." (Übersetzt
aus dem Englischen von G.Lo-Ti).
Das JSO-Team hatte zunächst nur einen Prototypen zum Thema
Jugendkriminalität entwickelt um dann später das Themenfeld
zu erweitern.
2. Inhalte und Ziele des JSO
Die Inhalte des JSO zum Themenfeld Kriminalität sind als
Angebot von wissenschaftlichen Basisinformationen (netzspezifisch
aufbereitet und sprachlich überarbeitet) für die Recherchearbeit
von Journalisten gestaltet.
Die netzspezifische Aufbereitung stellt die besondere Innovation
dar, indem direkt nutzbare Hintergrundinformationen per Link
(u.a. zum JSO-eigenen Glossar, zu Gesetzestexten, zur Expertenliste
u.a.) geliefert werden, ohne den Text explizit verlassen zu
müssen. Sie gehört zu den wichtigsten JSO-Profilmerkmale
im Rahmen des integrierten redaktionellen Gesamtpakets.
Das führt zur definitiven Unterscheidung/Abgrenzung gegenüber
vielen anderen Informationsportalen, wo bestimmte Informationsservices
weitestgehend isoliert/unverknüpft aufgeführt sind. Weitere
Besonderheiten der Textbearbeitung beinhalten:
Individuelle "Cuts" bei zu langen wissenschaftlichen Textabschnitten,
Anfettung von wichtigen Schlüsselwörtern oder Passagen im
Text, Einsetzen von Zwischenzeilen und Tabellen/Diagrammen,
Straffung des Textes durch das Anlegen von Textergänzungsdateien,
Einbindung kleiner Auflistungen im Lauftext als Thesen per
Word-Tool.
Für journalistisch orientierte Nutzer wird hiermit ein rascher
Zugang zu den Kernthemen (Jugendkriminalität, Wirtschaftskriminalität,
Ausländerkriminalität etc.), Experten, Medienbeispielen (Radio,
Fernsehen, Presse), internationalen Vergleichen sowie kontroversen
Standpunkten geschaffen.
Für die Vermittlung der Inhalte wird das Medium Internet
genutzt. Es ermöglicht eine qualitativ hochwertige journalistische
Recherche, indem es immense Datenmengen verarbeiten kann.
Die unbegrenzte Verfügbarkeit von Informationsmaterial verlangt
nach sinnvollen Selektionsentscheidungen.
Diese kompetente, unabhängige Informationsaufbereitung soll
im JSO geboten werden durch die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern,
Journalisten und Medienspezialisten. Das Ziel ist, möglichst
viele Autoren zu gewinnen, die ihre Texte für die JSO-spezifische
Aufbereitung zur Verfügung stellen.
Mit diesem Anspruch sollen ab dem Jahr 2004 auch weitere
Versionen der geltenden Rechtssysteme in Europa erarbeitet
werden (in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für
Ausländisches und Internationales Strafrecht in Freiburg)
Begonnen werden soll diese Arbeit in Kooperation zwischen
Teams in Deutschland, Frankreich und Polen.
3. Entwicklung und weitere Ziele des Informationsportals
Journascience
Seit dem Wintersemester 2001/ 2002 wurde systematisch in
Zusammenarbeit mit dem Institut für Medien, Kommunikation
und Informationstechnologie (MKI) der FHD und mit Prof. Dr.
M. Marmann vom FB Medien der Prototyp für einen Online-Dienst
entwickelt, zunächst nur zum Themenfeld Jugendkriminalität
unter dem Namen OSJ (Online Social Science Service for Journalists).
Im Februar 2002 konnte dieser Prototyp der Fachwelt erstmalig
vorgestellt werden.
Nachdem ein kleiner Mitarbeiterstab durch die FHD finanziert
werden konnte, wurden die Themenfelder erweitert wie auch
die gesamte Menüstruktur. Zentrales Thema blieb die Kriminalität.
Das weiterentwickelte Onlineangebot erhielt dann den Namen
Journascience.org (JSO) mit dem Untertitel: Informationsportal
zum Thema Kriminalität.
Am 24. November 2003 wurde JSO im Rahmen einer Pressekonferenz
der Öffentlichkeit vorgestellt.
4. Begleitforschung zum JSO
Die Begleitforschung umfaßt mehrere Bereiche:
a ) Sozialwissenschaftliche Fragestellungen
- Empirische Befragung der Journalisten, die JSO nutzen.
Auswertung der Ergebnisse für die Beantwortung der Frage,
ob dieser Online-Service für das Wissensmanagement der Journalisten
zum Thema Kriminalität hilfreich war.
- Qualität der Medienberichterstattung. Im Mittelpunkt dieser
Untersuchung sollen die Interdependenzen zwischen Medien,
Populismus und sozialer Ausgrenzung stehen. Es ist der Versuch,
anknüpfend an den mediologischen Ansatz von Regis Debray,
keine vordergründige Medienkritik zu leisten, sondern die
Qualität der medialen Berichterstattung im Rahmen einer
Analyse von technischer Entwicklung, gesellschaftlicher
Organisation und medialen Vermittlungsformen zu betrachten
(Debray, 1999)
b) Prüfung des Finanzrahmens von JSO
(Personalkosten, Sachmittelaufwand)
c) Begutachtung der Frage einer dauerhaften Einrichtung
von JSO
Hierbei geht es um die Entscheidung über die künftige
Trägerschaft. Dabei sind zwei verschiedene oder/ und auch
parallel zu installierende Modelle denkbar:
- ein ausschließlicher Informationsdienst
für journalistische Recherche und
- ein Informationsangebot für journalistische
und nicht- journalistische Nutzer in der Trägerschaft des
öffentlich- rechtlichen Rundfunks unter Einbeziehung
des Wissenspools der Hochschulen oder einer neuartigen public-private-partnership
5. Kooperationspartner
- FernUniversität Hagen/ Medienzentrum
(Erstellung von TV-Beiträgen im WDR)
- Max-Planck-Institut für Internationales und ausländisches Strafrecht,
Freiburg (Bereitstellung kriminologischer Inhalte)
- Hans-Bredow-Institut an der Universität Hamburg
(medienrechtliche und -politische Untersuchungen und Beratung)
- Richard-Boorberg-Verlag, Stuttgart
(redaktionelle Mitarbeit und technische Beratung)
- Institut für Kriminologie an der Universität zu Köln
(Bereitstellung kriminologischer Inhalte)
- Institut für Rundfunkökonomie an der Universität zu Köln
(medienökonomische Untersuchungen und Beratung)
- Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf
(Förderung der empirischen Befragung zu Journascience)
- Filmstiftung NRW, Düsseldorf (Förderung der Filmsammlung von Journascience)
Institut MKI der FHD (Beratung bei der Weiterentwicklung der technischen
Struktur von Journascience)
- Netzwerk Recherche e.V., Mainz
- Journalistenakademie der Friedrich-Ebert-Stiftung
- ZFP der Programmmitarbeiter von ARD und ZDF, Mainz
- Landespräventionsrat Nordrhein-Westfalen
- Landespräventionsrat Niedersachsen
6. JSO-Team
- Prof. Dr. Gisela Losseff-Tillmanns (Projektleitung -
Fachhochschule Düsseldorf)
- Dr. J. Montenbruck (Wissenschaftsjournalist- verantwortlich
für die JSO-spezifische Textaufbereitung)
- Franz Iwohn (Technischer Redakteur und Webmaster)
- Prof. Dr. Hartmut Schweitzer (Universität Bonn, verantwortlich
für die empirische Begleitforschung)
- Thomas Kamp (journalistischer Berater)
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