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2. Sicherheitskonzepte und Sicherheitsgefühle
Gestützt wird die Entwicklung zu einem umfassenden und erweiterten Sicherheitsbegriff
wie zu den damit verbundenen Bedeutungsverschiebungen auch durch die
in nachmodernen Gesellschaften besondere Relevanz des Sicherheitsgefühls.
Gerade wegen der allgegenwärtigen Verfügbarkeit des Themas Sicherheit
ist auf das Sicherheitsgefühl besondere Rücksicht zu nehmen; dies ist
umso bedeutsamer, weil gerade in den Ländern der Europäischen Union als
Garanten der Sicherheit nicht Gerichte oder das Parlament, sondern die Exekutive
und die Polizei besonderes Vertrauen in der Öffentlichkeit genießen.
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Das Sicherheitsgefühl wird mit einer extensiven Berichterstattung insbesondere
zu spektakulären, nicht-alltäglichen Fällen des Sexualmords, der Geiselnahme,
der Erpressung sowie neuerdings mit der Thematisierung mafioser Gruppierungen,
korrupter Strukturen und terroristischer Gewalt dauerhaft aktiviert. Problematisierung von Kriminalität
lässt
sich nicht mehr eindeutig Gruppierungen
oder Parteien zuordnen In der Zusammenschau werden Bedrohungen der Sicherheit auch zu Zeichen
von zunehmender Hilflosigkeit staatlicher Gewalt und beginnender Erosion
des Rechtsstaats und der zentralen Normenbestände von Gesellschaften
gedeutet [1]. mehr ›› Bemerkenswert ist im Zusammenhang mit dem Null-Toleranz Konzept nicht
so sehr der hier beobachtbare Inhalt in Form spezifischer polizeilicher
oder sanktionspolitischer Strategien, sondern die im Hintergrund lauernde Eliminationsideologie.
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Anders als noch in den sechziger und siebziger Jahren des letzten
Jahrhunderts lässt sich die Problematisierung von Kriminalität und öffentlicher wie
privater Gewalt nicht mehr eindeutig und dauerhaft bestimmten Gruppierungen
oder Parteien im politischen und kulturellen Spektrum (sog. typische Moralunternehmer)
zuordnen, ebenso wenig wie dies für Forderungen nach verstärktem Einsatz
von Strafrecht der Fall ist.
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Für die Strafverfolgungsorgane eröffnet sich wie die richtungsgebende
Kriminalpolitik ein weites Tätigkeitsfeld im Bereich der öffentlichen
Sicherheit in der modernen Risikogesellschaft.
mehr ›› Noch zeichnet sich nicht deutlich ab, wohin die Entwicklung verläuft
und was mehrheitlich gewünscht wird:
- das Beibehalten der globalen Entwicklungstrends einer so bezeichneten
Risikogesellschaft mit Privatisierung von Sicherheitsleistungen und
auch vermehrter Eigensicherung
- oder eine Wiederkehr des 'Leviathan', des starken Staats und einer
neuen Sicherheitsgesellschaft, die Abkehr nimmt von den riskanten Freiheiten
einer auswuchernden liberalisierten Marktgesellschaft und die einen
zivilisierten Bürger in die Sicherheit und Beschaulichkeit eines streng
kontrollierten Gemeinwesens zurückführt.
[1] Wilhelms,
U.: Politische und polizeiliche Dimensionen der organisierten Kriminalität.
der kriminalist 1993, S. 233-236; Wittkämper, G.W., Krevert, P., Kohl,
A.: Europa und die innere Sicherheit. Wiesbaden 1996.
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