3. Zugänge empirischer Forschung zur Wirtschaftskriminalität
Die Durchsicht der Forschung zur Wirtschaftskriminalität zeigt in Europa
Schwerpunkte in den Bereichen des Versuchs
- der deskriptiven Aufbereitung von Informationen zum Umfang und Merkmalen
der Wirtschaftskriminalität,
- zu den Charakteristika der Wirtschaftsstraftäter
- sowie zur
Implementation des
Wirtschaftsstrafrechts.
Erst neuerdings wird wieder die Frage nach den Entstehungsbedingungen
der Wirtschaftskriminalität aufgegriffen.
mehr ›› Es ist nicht weiter begründungsbedürftig, daß Wirtschaftskriminalität
ein Forschungsfeld darstellt, das sich den traditionellen Werkzeugen
kriminologischer Datenerhebung und Analyse, nämlich den auf individuelle
Begehung von Massendelikten und von zumeist auf junge Männer zurückzuführende
Straßenkriminalität ausgerichteten Opfer- und Tätersurveys, und zum anderen
der Polizeistatistik zu
einem erheblichen Teil entzogen hat [1]. Interviews, Befragung und Beobachtung sind in der Untersuchung komplexer
Systeme sowie wirtschaftlicher und politischer Eliten nicht in
der Weise verwendbar, wie sie in den unteren sozialen Segmenten der Gesellschaft
zum Einsatz kommen. mehr ›› Politische
Interesse an der Erforschung
der Wirtschaftskriminalität ist offensichtlich
nicht stark ausgeprägt Im übrigen ist aber auf ein weiteres Problem hinzuweisen. Das politische
Interesse an der Erforschung der Wirtschaftskriminalität ist offensichtlich
nicht so stark ausgeprägt, als dass bislang erhebliche Investitionen
in systematische und übergreifende Informationssysteme erfolgt wären. Die deutsche Entwicklung mag hierfür als Beispiel dienen. Die Polizeiliche
Kriminalstatistik PKS weist
zwar "Wirtschaftskriminalität" gesondert aus [2], erfasst hierbei aber nur die Fälle des § 74 c Absatz 1 Nr. 1-6 GVG sowie
Delikte,
- die im Rahmen tatsächlicher oder vorgetäuschter wirtschaftlicher
Betätigung begangen werden
- und über eine Schädigung von Einzelnen hinaus das Wirtschaftsleben
beeinträchtigen oder die Allgemeinheit schädigen können
- und/oder deren Aufklärung besondere kaufmännische Kenntnisse erfordert [3].
mehr ›› In Bezug auf die Organisierte Wirtschaftskriminalität liefert das
Lagebild Organisierte Kriminalität Bundesrepublik Deutschland, das seit
1991 durch das Bundeskriminalamt in
Zusammenarbeit mit den Landeskriminalämtern erstellt wird, einige Anhaltspunkte. Jedoch werden in dieser Erfassung weitere Probleme sichtbar, die Zweifel
an derartigen Erhebungen entstehen lassen. Das Meldesystem zur organisierten Kriminalität erlaubt auf jährlicher
Basis einen Einblick in das, was von den Ermittlungsbehörden der organisierten
Kriminalität zugerechnet wird.
mehr ›› Herkömmliche Darstellung der
Kriminalstatistik
ist nicht geeignet, besonders herausgehobene Eigenschaften
sichtbar zu machen Freilich weist das Bundeskriminalamt in der Interpretation der
Daten auch darauf hin, dass die quantitative Seite der so erfassten
organisierten (Wirtschafts-)Kriminalität von nachrangiger Bedeutung
sei. Denn die tatsächliche Bedrohung durch organisierte Kriminalität ergebe
sich aus der Qualität der Delikte sowie aus den auf Dauer angelegten
Strukturen (der organisierten Kriminalität) [4]. Die bisherigen Versuche verdeutlichen jedenfalls eines: Die herkömmliche Darstellung der Kriminalstatistik ist offensichtlich
nicht geeignet, besonders herausgehobene Eigenschaften sichtbar zu machen. Insoweit stehen die mitgeteilten Daten bzw. empirischen Informationen
der mitgeteilten Bewertung unverbunden gegenüber. Gerade in der Definition "Organisierte Kriminalität", die der polizeilichen
Sammlung von Daten zugrunde liegt, lassen sich Probleme aufzeigen. Entsprechende Probleme gelten auch für die Erfassung und statistische
Aufbereitung der Wirtschaftskriminalität.
[1] Vgl.
hierzu Shapland, J.: Crime: A Social Indicator or Social Normality? In:
Robert, Ph., Sack, F. (Hrsg.): Normes et Deviances en Europe. Un Debat
Est-Ouest. Paris 1994, S. 101-126; vgl. auch De Nike, H.J., Ewald, U.,
Nowlin, Ch.J. (Hrsg.): Victimization Perception after the Breakdown of
State Socialism. First Findings of a Multi-City Pilotstudy 1993. Berlin
1995. [2] PKS
1999, 229 f. [3] PKS
1999, 15. [4] Vgl.
Bundeskriminalamt: Lagebild Organisierte Kriminalität Bundesrepublik
Deutschland 1995.
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