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5. Was ist der Markt für Unternehmen? Der Markt für Unternehmen ist entstanden aus der sogenannten "Firmenpiraterie", die sich in den achtziger Jahren ausbreitete, als mehr als die Hälfte der amerikanischen Unternehmen einem Übernahmeversuch ausgesetzt war. Pionier war die Investmentbank Drexel, Burnham & Lambert, deren Mitarbeiter Michael Milken sich mit den sogenannten junk bonds befaßte. Bei diesen junk bonds (wörtlich: Müll-Anleihen) handelt es sich um Anleihen von Firmen, die aus bestimmten Gründen kein oder ein sehr niedriges Rating erhielten: Obwohl sie ihre Aktionen mit Parolen wie: "Wir befreien die Konzerne von ihrer Bürokratie!" zu legitimieren trachteten, waren feindliche Übernahmen zu dieser Zeit in der Öffentlichkeit verpönt. „Firmenpiraten“ waren lange Zeit Was auch immer sie vor den Übernahmen der Belegschaft und den Managern versprochen hatten, das Interesse der raiders lag nicht darin, sanierungsbereiten Firmen zu helfen, sondern Gewinne zu machen. Das erreichten sie am leichtesten, indem sie die Belegschaft entließen die Einzelteile der Firmen, Grundstücke, Markennamen, oder besonders wertvolle Betriebsteile verkauften, und wurden deshalb bald als "Firmenpiraten" bezeichnet. Die Firmenpiraterie beruhte u. a. auf zwei Voraussetzungen:
Die Firmenpiraterie der corporate raider war, wie erwähnt, lange Zeit nicht gesellschaftsfähig. Die Raider, fast alle Aufsteiger, wurden als "Firmenschacherer" verachtet und fanden keine Aufnahme in den Kreisen der Ostküstenelite. Wie gelang es Milken, dieses Problem zu überwinden? Die erste Ebene war die Schaffung eines Parketts, das die anonyme Börse ersetzte und auf das Einlullen der Opfer – der verzweifelt Kapital suchenden Unternehmer - zielte. Die zweite Ebene war die Bestechung der Politik. Auf einer dritten Ebene war Milken ebenfalls erfolgreich: Er wurde bald zum Star der Wall Street. Korruption der Wissenschaft Eine vierte Ebene betraf die Korruption der Wissenschaft: Milkens Manöver fanden 1988 mit der Anklage durch die SEC ein Ende: Anfang der neunziger Jahre begann sich das Meinungsklima zu wandeln und die Übernahmen wurden betriebswirtschaftlich approbiert in einem neuen Lehrgebäude, daß diesen Markt für Unternehmen als eine Kontrolle der Manager beschrieb: Die Lehre vom shareholder value, die sich nun an den Busines Schools ausbreitete, erklärte die feindlichen Übernahmen als eine neue Art der Bestrafung von Managern, die nicht im Sinne des Aktionärswohls gehandelt hatten – der Markt für Unternehmen (corporate governance) nahm ihnen deshalb ihre Firmen weg. Mit der neuen Sicht auf Übernahmen und Fusionen entwickelten sich in den neunziger Jahren eine Reihe von Verfeinerungen der Übernahmetechniken, die zu neuen Arbeitsteilungen an den Börsen führte und damit zum Ausbau des Dienstleistungssektors. Mit wachsendem Personal begannen die Investmenbanken den Markt routinemäßig auszubauen und Unternehmensberater propagierten mergers & acquisitions als neue Geschäftsstrategie. Verfeinerungen der Übernahmetechniken Fusionen und Übernahmen werden gewöhnlich mit Aktien bezahlt. Da sich Gebühren und Honorare für diese Geschäfte nach dem Volumen der Transaktionen richten, bedeuten steigende Aktienkurse für die Intermediäre höhere Provisionen. Niemand schien aufzufallen, daß die Kurssteigerungen die Firmenübernahmen verteuerten und volkswirtschaftlich überhaupt keinen Sinn machten, denn die Mehrzahl der übernehmenden Firmen mußten hohe Schulden aufnehmen. Dennoch gelang es den Akteuren, den Fusionen einen hohen Wert zuzusprechen, indem sie dafür sorgten, daß die Manager der übernehmenden Firmen auf die Gewinnerseite gerieten, indem sie in Aktien und Aktienoptionen bezahlt wurden. Gleichzeitig sicherten sie ihnen Verträge zu, die ihr Einkommen von den Verlusten der Firmen abkoppelten. |
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