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8.2 Die Interessen der Berater

Die scheinbar sachliche Basis der Arbeit der Berater muß man heute in einem neuen Licht betrachten, ihre Neutralität hat sich als willkommener Vorwand für die Durchsetzung eigener Interessen erwiesen.

Da ihre Einnahmen aus Gebühren und Provisionen bestehen, können sie ihre Gewinne am besten durch Steigerung der Beratungs- und Buchprüfungsfrequenzen erhöhen.

Das strategische Ziel der Buchprüfungs- und Beratungsfirmen muß also sein, sich selbst unentbehrlich zu machen und den Beratungs- und Buchprüfungsbedarf möglichst auszudehnen.

Strategie: Beratungs- und Buchprüfungsbedarf möglichst ausdehnen

So wurde durch die Propagierung des shareholder value-Modells ein großer Markt geschaffen, auf dem die Berater die Aufgabe der Umsetzung des Modells auf die Unternehmensebene übernahmen (vgl. Schmidt/Maßmann 1999).

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In den neunziger Jahren kamen die meisten Spenden für Parteien und Politiker von Firmen, die gegen die Regulierung der Telekommunikation und der Banken und gegen Umweltschutz- und Energiesparmaßnahmen eintraten.

Eine ebenso energische Lobbyarbeit betrieben die Buchprüfungsfirmen, die für politische Einflußnahme zwischen 1998 und 2000 15 Mio $ ausgaben.

Mehr als 50 % der Kongreßmitglieder wurden bedacht und immerhin 94 % der Senatoren (Stiglitz 2003:90). Die Verteilung an die zwei großen Parteien war ungleich.

Die folgende Aufstellung über Spenden im Wahlkampf 2000 zeigt, daß drei der Wirtschaftsprüfungsfirmen mehr als 70 % ihrer Lobbygelder an die Republikaner verteilten, und daß auch bei den übrigen beiden mehr als die Hälfte der Wahlkampfspenden an die Mitglieder der Republikanischen Partei ging.

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Wahlkampfspenden der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften
in den USA (im Wahljahr 2000)

 
Spenden-
summe
in Mio
US-Dollar
Spende
für die
Demokraten
in %
Spende
für die
Republikaner
in %
Ernst & Young
2,361
42
57
Deloitte Touche Tohmatsu
1,691
29
71
PwC
1,678
25
75
Arthur Andersen
1,210
27
73
KPMG
1,055
30
69
(Quellen, Simms:2002:35)

Doch die Korruption war vor allem eine innere.

Die Beratung wurde im Laufe der Zeit immer umfangreicher und die Beraterhonorare zählten bald zu den lukrativsten Einnahmequellen der großen Buchprüfungsfirmen und übertrafen die Honorare für Buchprüfungen bei weitem.

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Neuer Status der Wirtschaftsprüfer
wurde zum Problem

Die großen fünf Wirtschaftsprüfungsgesellschaften betrachteten ihre ursprüngliche treuhänderische Aufgabe bald nur noch als Türöffner für die profitableren Beratungsgeschäfte.

Damit aber verloren sie ihre Unabhängigkeit und begannen, sich enger an die Wünsche ihrer Kunden anzupassen.

Es entstand ein interner Kodex der sogenannten „kooperativen“ Buchprüfung mit Gefälligkeitsgutachten und die Buchprüfungen verloren ihre Funktion, Vertrauen in die Börsen zu schaffen.

Das Vertrauen wurde durch Werbung und umfangreiche Öffentlichkeitsaktionen ersetzt, mit der eine bestimmte Stimmung erzeugt wurde, die wiederum ihre eigenen Zwänge mit sich brachte.

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Hier war es die Kooperativität – anders ausgedrückt, die organisierte Kriminalität, die neue Aufträge und Honorare für die Beraterfirmen mit sich brachte.

Es entstand ein sozialer Zwang zur Kooperation, der dafür sorgte, daß die allgemeine Stimmung nicht durch kritische Buchprüfung durchkreuzt wurde.

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