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2. Der Begriff organisierte Kriminalität
Friedrich Nietzsche hat in seiner Genealogie der Moral den klugen Satz aufgestellt, dass man nur Begriffe definieren kann, die keine Geschichte haben.
Auf den Begriff organisierte Kriminalität trifft das sehr genau zu.
Der Begriff organisierte Kriminalität ist jetzt mehr als 80 Jahre alt.
Erstmals geprägt wurde er in den USA, wo man in Chicago im Jahre 1919 begann, von organized crime zu sprechen (von Lampe 1999, S. 26). Seitdem hat er eine wechselvolle Entwicklung durchlaufen, in den vergangenen rd. 35 Jahren auch in Deutschland. In dieser Zeit hat sich seine Bedeutung beständig gewandelt.
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Drei verschiedene Grundverständnisse
organisierter Kriminalität
Sieht man sich die Diskussion über organisierte Kriminalität in ihrer Gesamtheit an, also das, was in den Medien, in polizeilichen und kriminologischen Fachpublikationen und in politischen Verlautbarungen gesagt und geschrieben worden ist, so stößt man auf drei verschiedene Grundverständnisse vom Wesenskern organisierter Kriminalität.
- Nach einer Auffassung muss die Betonung auf Kriminalität gelegt werden. Danach ist organisierte Kriminalität eine besondere Kategorie strafbarer Handlungen, namentlich das Anbieten illegaler Güter und Dienstleistungen.
- Nach einer anderen Auffassung kommt es nicht so sehr auf die Art und Weise illegaler Aktivitäten an, ob es sich also im einzelnen um das Angebot illegaler Waren handelt oder um Betrügereien, Diebstahl und Raub, sondern darauf, dass Kriminelle sich zu Organisationen zusammengeschlossen haben. Danach soll die Betonung auf organisiert liegen.
- Eine dritte Sichtweise kümmert sich weder um die kriminellen Aktivitäten, noch den Grad der Organisiertheit von Straftätern, sondern um die Verflechtung legaler und illegaler Strukturen. Von organisierter Kriminalität soll nur die Rede sein, wenn Kriminelle und Inhaber von Positionen innerhalb der legalen Institutionen der Gesellschaft miteinander in einem korrupten System verwoben sind.
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In voller Länge lautet die amtliche Definition die wie folgt:
Organisierte Kriminalität ist die von Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind, wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere oder unbestimmte Dauer arbeitsteilig
a) unter Verwendung gewerblicher oder geschäftsähnlicher Strukturen,
b) unter Anwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel oder
c) unter Anwendung von Einflussnahme auf Politik, Medien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft
zusammenwirken.
Zufriedenstellen kann auch diese Definition nicht, die wegen ihrer vielen Alternativen im Übrigen gar keine Definition im eigentlichen Sinne des Wortes ist.
Organisierte Kriminalität
kann man nicht definieren
Es fehlt schlicht an allgemein akzeptierten Kriterien und Maßstäben, anhand derer die Frage nach dem Wesen oder Grundcharakter organisierter Kriminalität beantwortet werden könnte.
Um auf Nietzsche zurückzukommen, organisierte Kriminalität kann man nicht definieren. Man kann lediglich sagen, was so alles damit assoziiert wird, und man kann versuchen, halbwegs Ordnung in das Durcheinander zu bringen.
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