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Wirtschaftskriminalität › SpezialthemenOrganisierte Kriminalitätvon Lampe

5. Kriminelle Organisationen

Ungeachtet dieser Vorbehalte gibt es kriminelle Organisationen, auf die diese Bezeichnung zutrifft.

Allerdings sind nicht alle kriminellen Organisationen gleich.

Mindestens zwei analytische Dimensionen sollten hier unterschieden werden, zum einen die unterschiedlichen Funktionen, die kriminelle Organisationen erfüllen, zum anderen deren strukturelle Komplexität.

Kriminelle Organisationen können ökonomische Funktionen erfüllen, d.h. sie sind in ihrer Struktur auf Gewinnerzielung ausgerichtet. Dazu gehören Einbrecherbanden ebenso wie Betrugsunternehmen oder illegale Spielkasinos.

Nicht in diese Kategorien gehören Organisationen wie etwa die Cosa Nostra in den USA (von Lampe 1999), die Vory v sakonje (Diebe im Gesetz) in Russland (Finckenauer/Waring 1998) oder chinesische Triaden (Chin 1990).

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Kriminelle Organisationen können
quasi-staatliche Funktionen wahrnehmen

Daneben können kriminelle Organisationen quasi-staatliche Funktionen wahrnehmen, z.B. indem sie bestimmte Normen setzen und durchsetzen und im Gegenzug Steuern auf illegale Aktivitäten erheben.

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Es ist wichtig festzuhalten, dass kriminelle Organisationen der Erfüllung mehrerer Funktionen dienen können. Allerdings ist es aufgrund der jeweils unterschiedlichen Anforderungen an die Struktur eher unwahrscheinlich, dass sie sowohl unternehmerischen als auch quasi-staatlichen Zwecken dienen.

Neben ihrer funktionalen Ausrichtung unterscheiden sich kriminelle Organisationen im Grad der Komplexität ihrer Strukturen.

Komplex ist eine Organisation, wenn sie horizontal, d.h. arbeitsteilig, und vertikal, d.h. hierarchisch, gegliedert ist und über eine relativ große räumliche Ausdehnung verfügt.

 

Abb. 4: Struktur einer Cosa-Nostra-Familie

Komplexe kriminelle Organisationen sind nicht so häufig, wie das manchmal den Anschein hat.

Die Cosa Nostra z.B., die vielfach als eine der höchstentwickelten kriminellen Organisationen angesehen wird, ist zwar vertikal strukturiert, aber nicht arbeitsteilig, weil es keine besondere Rollenaufteilung etwa für die Schlichtung von Konflikten gibt.

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Komplexe kriminelle Organisationen sind deshalb eher selten, weil derartige Strukturen für die Verwirklichung krimineller Vorhaben nicht immer erforderlich sind, dafür aber das Entdeckungsrisiko erhöhen.

Komplexe Strukturen sind nur zu erwarten,

  • wo sie technisch bedingt sind, z.B. bei der Herstellung bestimmter Drogen,

  • dort wo, wie im Fall rumänischer Einbrecherbanden, die Operationsbasis vor Strafverfolgung relativ sicher ist, etwa weil sie im Ausland liegt,
  • oder im Fall halblegaler Strukturen, bei denen kriminelle Aktivitäten hinter einer legalen Fassade abgewickelt werden, z.B. illegale Glücksspiele in einem konzessionierten Spielkasino (Sieber/Bögel 1993, S. 245).
 
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