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7. Die gesellschaftliche Einbindung krimineller Netzwerke
Die Lehre, die man aus der näheren Beschäftigung mit kriminellen Strukturen ziehen muss, ist, dass sich die Dinge wesentlich komplizierter und durchaus auch anders gestalten, als dies in den Medien mit klischeehaften Vorstellungsbildern von komplexen Mafia-Syndikaten vermittelt wird.
Das gleiche gilt für die Frage des Verhältnisses von organisierter Kriminalität und Gesellschaft.
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Kehrt man zurück zu der Annahme, dass es bei organisierter Kriminalität im Kern um Netzwerke kriminell nutzbarer Kontakte geht, ergibt sich ein differenzierteres Bild.
In dem nachfolgenden Schaubild sollen vier verschiedene Konstellationen der gesellschaftlichen Verankerung krimineller Netzwerke dargestellt werden:

Abb. 6: Grundkonstellationen der gesellschaftlichen Integration krimineller Netzwerke
Der Darstellung liegt ein sehr grobes Schema zugrunde, mit dem die Gesellschaft in maximal drei Sphären eingeteilt wird,
- bestehend aus den gesellschaftlichen Eliten, die die wichtigen Positionen in Staat, Wirtschaft und Medien innehaben,
- einer Mittelschicht
- und einer hiervon abgegrenzten Subkultur.
Im ersten Fall ist das abgebildete kriminelle Netzwerk mit einer homogenen, feindlichen Umwelt konfrontiert, wie es wohl für die bereits erwähnten, von Rumänien aus operierenden Einbrecherbanden kennzeichnend ist.
Der zweite Fall steht für die Einbettung krimineller Netzwerke in eine Subkultur, etwa das Rotlichtmilieu oder eine marginalisierte ethnische Minderheit.
Im dritten Fall haben wir es mit einer homogenen, von kriminellen Netzwerken durchzogenen Gesellschaft zu tun.
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Die vierte Konstellation umschreibt den Fall, dass sich innerhalb der gesellschaftlichen Eliten kriminelle Netzwerke gebildet haben. Beispiele liefern die auf höchster Ebene angesiedelten Korruptions- und Parteispendenskandale.
Die beiden ersten Varianten passen eher zu dem Bild einer Konfrontation von organisierter Kriminalität und Gesellschaft, die beiden letzteren eher zu der Annahme, dass organisierte Kriminalität ein integraler Bestandteil der Gesellschaft ist.
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Kaum kulturelle Barrieren zwischen
sozial integrierten Kriminellen
Im Gegensatz zu den sich in gesellschaftlichen Randbereichen entwickelnden kriminellen Netzwerken bestehen kaum kulturelle Barrieren zwischen sozial integrierten Kriminellen, die den Mittelschichten angehören, und den Führungsschichten in Politik und Wirtschaft.
Der Berliner Bauskandal der 80er Jahre hat dies schlaglichtartig beleuchtet (Ciupka/Schmidt 1989). Im Fall der in den Eliten verankerten kriminellen Netzwerken schließlich stellt sich die Frage der Einflussnahme im hier verstandenen Sinne nicht. Maßgeblich ist stattdessen, welche Spielräume die Gesellschaft ihren Eliten einräumt, die staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen für eigennützige Zwecke zu missbrauchen.
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