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Wirtschaftskriminalität › SpezialthemenPaoli

3.  Was meint organisierte Kriminalität?
Kriminelle Vereinigung oder kriminelles Unternehmen

Der Begriff organisierte Kriminalität ist unbestritten ein Schlüsselbegriff nicht nur der kriminologischen, sondern auch der politischen und gesellschaftlichen Debatten der letzten eineinhalb Jahrzehnte.

Und genauso unbestritten ist, dass schon viel länger ein heilloses Durcheinander herrscht beim Versuch einer allgemeingültigen und zugleich präzisen Bestimmung dieses Phänomens (Paoli, 1999a, 2002).

Ohne hier auf die Streitpunkte im Einzelnen eingehen zu wollen, möchte ich eine These zum Definitionsproblem aufstellen: Es gibt nicht eine einzige und allgemeingültige Bestimmung, weil es zwei unterschiedliche Grundkonzeptionen der organisierten Kriminalität gibt.

Einerseits: der Typ der kriminellen Vereinigung oder Organisation.

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Andererseits: der Typ des kriminellen Unternehmens (enterprise crime).

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Und es ist diese zweite sehr breite Bestimmung, welche den meisten (wenn es sie denn gibt) offiziellen Definitionen und auch der Praxis der Strafverfolgungsbehörden zu Grunde liegt.

So fehlt beispielsweise der von Polizei und Justiz in Deutschland seit 1990 benutzten quasi "halb-offiziellen" Definition das Kriterium "feste Organisation" - auch sie ist also offensichtlich stark geprägt von der nordamerikanischen "illegal enterprise"-Theorie.

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Ähnliche und wenn man will sehr lockere Bedingungen werden von der "UN Konvention gegen transnationale organisierte Kriminalität" angeführt: Artikel 2, Absatz (a) der Konvention definiert eine "organisierte kriminelle Gruppe als eine strukturierte Gruppe von drei oder mehreren Personen, die eine Zeit lang existiert und gemeinsam agiert mit dem Ziel ein oder mehrere Verbrechen oder Straftaten zu begehen" (UNGA, 2000, S. 25).

Konsequenz: Man kann derartige relativ weit gefasste Definitionen organisierter Kriminalität eben nicht nur auf die Mitglieder von dauerhaften kriminellen Organisationen im strikten Sinn des Wortes anwenden, sondern auch auf relativ kleine und lose Partnerschaften, Banden und Teams, die zum Zweck zeitlich relativ begrenzter Profit orientierter Verbrechen entstehen.

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